Jurten – Verarbeitung und Bau

Blick in unsere Jurten-Werkstatt

Holz, Öl, Stoff – verschiedene Bestandteile sind in unseren Jurten zu einem großen Ganzen verarbeitet. Was wir für Material verwenden, wie wir es bearbeiten und wie unsere Jurten Stück für Stück entstehen? Hier erhältst du einen Blick in unserer Werkstatt, wie wir bauen und mit was…

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Esche – unsere Wahl für den Jurtenbau

Der Jurtenbau beginnt bei uns mit der sorgfältigen Auswahl von Eschenbohlen. Esche ist das lokal verfügbare Holz mit den für Jurtenbau weitaus besten Eigenschaften. Sie besitzt eine sehr hohe Bruchsicherheit bei ebenfalls hoher Flexibilität. Sie wird überall da eingesetzt, wo lange dünne Stangen sehr hohe Belastungen standhalten müssen wie zum Beispiel im Bogenbau und für Axt- und Spatenstiele. Da sie konkurrenzlos gut für unseren Zweck, bauen wir die Gerüste NUR mit Esche. Ausnahmen bilden die Türen und Fenster, bei welchen auch andere Hölzer zum Einsatz kommen – derzeit hauptsächlich Douglasie.

Jede Eschen-Stange wird von uns zugesägt, gehobelt, unter Wasserdampf gegart und in die gewünschte Form gebogen, nachgeschliffen, gebohrt, und mehrfach mit Leinöl-Firnis versiegelt. Das Ergebnis ist nicht nur bruchsicher und witterungsbeständig, sondern sieht wirklich edel aus. Wir haben uns mittlerweile nahezu in das  zauberhafte Eschenholz verliebt – den Geruch beim Dampfbiegen, die Maserungen des Holzes, denn: Erfreulicherweise ist Esche faszinierend abwechlsungsreich und farbenfroh, von hell, oliv-farben, rötlich, teils gestreift. Jede Stange ist ein Unikat! Das Foto kommt leider nicht annäherns an die Wirklichkeit heran., kann dir aber vielleicht einen Hauch davon transportieren, was wir meinen!

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Das Biegen des Holzes – Dampfbiegen

Wir biegen sowohl die Dachleisten, die Wandleisten für die Scherengitter. Diese Biege-Technik des Dampfbiegens ist aufwändig, aber zum Erreichen eines möglichst ungebrochenen runden Raumgefühls unerlässlich. Unsere gebogenen Dachstangen sind eine Folge unserer Orientierung am traditionellen turkmenischen Bau-Stils der Jurte. Der gebogene Lichtring hat den Vorteil, dass er besonders leicht ist. Dank der dreilagigen Formverleimung ist er zudem extrem stabil und bruchsicher. Gebogene Wandleisten, aus denen die Scherengitter geknotet werden, gewährleisten zum einen, dass die Wandelemente rund stehen ohne dass einzele Leisten unter zu großer Spannung stehen. Zum anderen sind sie für eine höhere Stablität der Wände verantwortlich und verhindern, dass die Jurte eine „Taille“ bekommt. Alles in allem stehen die Scherengitter so entspannt im Kreis, sind dadurch weniger bruchgefährdet, und das runde Raumgefühl wird verstärkt. Traditionelle Jurten haben soweit uns das bekannt ist immer gebogene Wandleisten.

Viele moderne Jurtenbauer:innen verzichten oft auf das Biegen, um Arbeitszeit und die Dämpfanlage einzusparen. Stattdessen stellen sie die Scherengitter steiler auf, um den Effekt, dass die Leisten unter viel Spannung stehen, zu minimieren. Zu erkennen ist das leicht daran, dass die Scherengitter dann keine Quadrate mit 90°-Winkel aufweisen, sondern aufrechte Rauten mit ca. 60°-Winkel. Zudem ist die oben erwähnte Taille der Jurtenwände deutliche zu erkennen. Diese Taille kommt u.a. daher, dass die Dachstangen das Scherengitter nach außen drücken. Unsere Scherengitter sind stets aus gebogenen Leisten, ganz unabhängig von der gewählten Dachform – mongolisch oder turkmenisch.

Da wir jede Jurte auf Bestellung bauen, gehen wir gerne auf besondere Wünsche, auch bei der Grundform der Jurte, ein.

Statik der Jurten

Das Grundprinzip der Jurte funktioniert über Spannung und Gegenspannung. Das Spannungsband, welches bei uns doppelt gesichert am Türrahmen befestigt einmal um die Scherengitter herumgeführt ist, hat dabei eine wichtige Schlüsselrolle. Es hält die Scherengitter davon ab, nach außen zu wandern, wenn die Dachstangen in den Dachkranz gesteckt und an den Scherengittern befestigt werden. Würden die Wände ungehindert nach außen gedrückt werden, würde sich das Dach absenken, bis schließlich so wenig Spannung auf dem Dachkranz wäre, dass Dachleisten herausrutschen und die Jurte zusammenstürzen würde. Ein solides Spannungsband ist deshalb von größter Wichtigkeit. Die Stabilität des Dachkranzes ist gleichrangig hoch anzusiedeln. Bei traditionellen Jurten ist der Dachkranz auch symbolisch und spirituell sehr aufgeladen, er ist der eine Teil der Jurte, welcher über die Generationen weiter vererbt wird. Alle anderen Teile werden bei Bedarf ersetzt.

Außenhaut

Wir nutzen für unsere Außenhäute in aller Regel 510g/m2 Baumwoll-Polyester-Mischgewebe, welches gegen Wasser, Fäulnis und zudem flammenhemmend imprägniert ist. Dieses Gewebe ist extrem robust, reißfest, und besitzt wegen des Baumwollanteils eine sehr gute Atmungsaktivität, welche sowohl für das Raumklima als auch um Schimmelbildung vorzubeugen ein sehr wichtiger Faktor ist. Die Außenhaut ist neben dem Holzrahmen der wichtigste Bestadteil der Jurte, sie macht die Jurte in unserem europäischen Klima langfristig nutzbar. Das Design unserer Außenhäute ist in langjähriger Erfahrung ausgereizt. Dies beinhaltet, dass jede einzelne Naht so ausgerichtet ist, um Regen möglichst ungehindert abfließen zu lassen, dass der Wind nirgends durchpfeift, dass die Seitenwände auch bei Bodenkontakt keine Feuchtigkeit hochziehen, und die komplette Jurte schnell und leicht zu montieren und zu demontieren ist. Außerdem gibt es diverse Farben zur Auswahl, die auch nach Wunsch kombiniert werden können.

Je nach Nutzungsabsicht empfehlen wir zusätzliche Extras, wie zusätzliche Isolierung, Fenster, (öffenbare) Acrylglaskuppeln und andere Extras.

Dämmung – je nach Nutzung

Für die ganzjährige Nutzung braucht es Isolierung/Dämmung. Je nachdem, wie du die Jurte nutzen möchtest, auch mehr davon. Wir erstellen jedes Angebot genau nach deinen Bedürfnissen und eruieren im Gespräch, was für das konkrete Jurtenprojekt die sinnigste Lösung ist.

Für Menschen die dauerhaft an einem Ort in einer Jurte leben wollen, ist meistens eher eine dickere Isolierung sinnvoll, da diese auf Dauer Heizkosten spart und damit die Umwelt schont, in Kombination mit einem Ofen, der viel Wärme speichert. Bei weniger durchgängiger, aber dennoch ganzjähriger Nutzung, kann auch deutlich weniger Isolierung in Kombination mit einem Ofen, der die Jurte schnell warm bekommt, die deutlich sinnvollere Lösung sein. Natürlich kann es auch sein, dass du die Jurte nur im Sommer und somit ohne Dämmung nutzen willst. Und dann gibt es natürlich noch Zwischenwege.