Jurten

Jurten sind runde, traditionelle Nomadenbehausungen, die sich seit mindestens dreitausend Jahren im näheren und ferneren Osten bewährt haben. Sie sind tief verwurzelt in der Kultur der Mongolen, Turkmenen, Kirgisen, Kasachen, Uzbeken usw. und finden sich dort nicht nur als ländlich/ärmliche Nomaden-Behausungen, sondern durchaus auch als Vorbild großer Tempelbauten, auf Nationalflaggen etc. In Zeiten des Mugulreiches wurden Jurten auch genutzt, um ganze mobile Städte mit Jurtenpalästen in deren Zentrum zu errichten.

Neben ihrer Mobilität und dabei enormen Stabilität, ist ihr Charme vor allem durch die runde Form geprägt, die ein unnachahmliches Raumgefühl erzeugt.

Jurten-Magie

Die Jurten-Faszination liegt wahrscheinlich in erster Linie in ihrer Formensprache, die einem Mandala ähnelt und eine außerordentliche Wirkung auf unser Gemüt ausübt. Ein Ort, an dem es leicht fällt, innerlich zur Ruhe zu kommen, wo die Seele aufatmet. Nicht umsonst eignen sich Jurten ideal als Therapieräume, Seminar-Räume, festliche Veranstaltungsräume wie zum Beispiel für Hochzeiten, und vieles mehr.

Jurtenformen

Obwohl generell gilt, dass alle Jurten „rund“ sind, sind jedoch längst nicht alle Jurten gleich. Im Wesentlichen bestehend aus geknoteten Scherengitter-Wänden, Tür, Dachkranz und darin steckenden und mit den Scherengittern verbundenen Dachstangen, unterscheiden sie sich in regional unterschiedlich ausgebildeter Formensprache, insbesondere in der Bauweise des Lichtkranzes (Dachkranz), der Form der Dachstangen (gerade, gebogen, stärker gebogen, s-förmig…) und der Dachneigung.

Turkmenische Jurte

Die Jurtenform, die wir vorrangig anbieten, kommt der Turkmenischen traditionellen Form am nächsten. Sie hat eine mittelstarke Krümmung am unteren Ende der Dachstangen, und einen vergleichsweise leichten, formverleimten Dachkranz. In Großbritannien hat sich diese Jurtenform seit über 15 Jahren etabliert und ist neben der mongolischen „Ger“ mit geraden Dachleisten die häufigste Jurtenform. Vielleicht sogar die häufigste. Wir finden, dass die Jurte durch gebogene Dachleisten einen besonders festlichen Charme hat, und das ohnehin schon „runde“ Gefühl durch die gewölbte Dachkuppel noch gesteigert ist. Praktische Vorteile ergeben sich dabei auch, vor Allem durch die Stehhöhe am Rand der Jurte.

Bewohnte Jurte mit turkmenischer Dachform in Süddeutschland

Klimatische Anpassung

Warum sich Jurten nicht schon längst und viel stärker auch in Europa durchgesetzt haben, liegt wohl vor allem daran, dass das innerkontinentale Klima in den Ländern, wo die Jurte beheimatet ist, deutlich weniger feucht ist, und deshalb die importierten „originalen“ Jurten nicht gut mit unserem mitteleuropäischen feuchten Klima kompatibel sind. Die originalen Baumwoll-Außendeckungen sind nicht ganz wasserdicht, was naturgemäß zu Feuchtigkeit im Innern und damit langfristig zu Schimmel führt – oder es wird dann nachgebessert und eine Regenplane aufgebracht, die dann zwar absolut wasserdicht ist aber nicht mehr atmungsaktiv. Die Folge: Es kommt im Innern zu Kondenswasserbildung und damit wieder zu Schimmel. Außerdem führt eine nicht atmungsaktive Plastikplane außen auch zu einem stickigem, „schwitzigen“ Klima.

Dass sich Jurten ausgerechnet in Großbritannien bereits vor 15-20 Jahren durchgesetzt haben, liegt wohl daran, dass jemand dort auf die Idee kam, Jurten klimatisch anzupassen, also Außenhäute zu nähen, die sowohl wasserdicht als auch atmungsaktiv sind. Jurten wurden damit deutlich interessanter nicht nur als alternative Wohnform, sondern auch für den naturnahen Tourismus, welcher sich mit steigender Beliebtheit der Jurten auch weiter ausdehnte.

Unsere Jurtendeckungen bauen direkt auf den langjährigen Erfahrungen des britischen Jurtenbooms auf, von dort haben wir gelernt und nutzen auch heute noch dieselben Materialien, die sich dort für das europäische Klima durchgesetzt und bewährt haben. Da wir auch für bereits bestehende Jurten Ersatz-Außenhäute nähen und auch andere Jurtenbauer mit Außenhäuten beliefern, ist unser Erfahrungsschatz mit Außenhäuten von Jurten sogar noch deutlich größer als mit dem Bau von kompletten Jurten.

Besonderheiten unserer Jurtenrahmen

Bei uns beginnt der Jurtenbau mit der sorgfältigen Auswahl von Eschenbohlen. Esche ist das lokal verfügbare Holz mit den für Jurtenbau weitaus besten Eigenschaften. Sie besitzt eine sehr hohe Bruchsicherheit bei ebenfalls hoher Flexibilität. Sie wird überall da eingesetzt, wo lange dünne Stangen sehr hohe Belastungen standhalten müssen, im Bogenbau, für Axt- und Spatenstiele… Da sie konkurrenzlos gut für unseren Zweck, bauen wir eigentlich NUR mit Esche. Ausnahmen bilden die Türen und Fenster, bei welchen auch andere Hölzer zum Einsatz kommen, derzeit hauptsächlich Douglasie.

Eschenbohlen vor dem Zuschnitt

Jede Eschen-Stange wird von uns zugesägt, gehobelt, unter Wasserdampf gegart und in die gewünschte Form gebogen, nachgeschliffen, gebohrt, und mehrfach mit Leinöl-Firnis versiegelt. Das Ergebnis ist nicht nur bruchsicher und witterungsbeständig, sondern kann sich auch sehen lassen. Erfreulicherweise ist Esche faszinierend abwechlsungsreich und farbenfroh, von hell, oliv-farben, rötlich, teils gestreift…jede Stange ein Unikat. Das Foto kommt leider nicht an die Wirklichkeit heran.

Dampfbiegen

Wir biegen sowohl die Dachleisten, die Wandleisten für die Scherengitter (damit die Wände gerne rund stehen ohne zu spannen), als auch die Rohlinge für den Dachkranz, welcher dann mehrlagig formverleimt wird.

Beginn einer Dachkranz- Formverleimung mit vorgebogenen Leisten

Diese Biege-Technik ist aufwändig, aber zum Erreichen eines möglichst ungebrochenen runden Raumgefühls unerlässlich. Dabei sind explizit nicht nur die Dachstangen gebogen, sondern auch die Wandleisten, aus denen die Scherengitter geknotet werden. Dadurch stehen die Scherengitter entspannt im Kreis, sind dadurch weniger bruchgefährdet, und das runde Raumgefühl wird verstärkt. Traditionelle Jurten haben soweit uns das bekannt ist immer gebogene Wandleisten. Moderne Jurtenbauer verzichten oft auf das Biegen, um Arbeitszeit zu sparen, und stellen stattdessen die Scherengitter steiler auf, um den Effekt, dass die Leisten unter viel Spannung stehen, zu minimieren. Zu erkennen ist das leicht daran, dass die Scherengitter dann keine Quadrate mehr sind, sondern aufrechte Rauten mit ca 60 Grad Winkel, und die Jurtenwände in der Seitenansicht eine deutliche Taille haben. Unsere Scherengitter sind stets aus gebogenen Leisten, ganz unabhängig von der gewählten Dachform.

7m Jurtenrahmen „Wandelgarten“, gebaut als Gemeinschaftsprojekt unter unserer Anleitung

Da wir jede Jurte auf Bestellung bauen, gehen wir gerne auf besondere Wünsche, auch bei der Grundform der Jurte, ein.

Je nachdem, ob die Realisierung einer anderen Jurtenform mit einem Zusatzaufwand in Material oder Aufwand verbunden ist, wird ein Preiszuschlag erhoben, oder ggf auch ein Preisnachlass gegeben (z. B. bei Bevorzugung der geraden Dachleisten ohne Biegung).

Statik

Das Grundprinzip der Jurte funktioniert über Spannung und Gegenspannung. Das Spannungsband, welches bei uns doppelt gesichert am Türrahmen befestigt einmal um die Scherengitter herumgeführt ist, hat dabei eine wichtige Schlüsselrolle. Es hält die Scherengitter davon ab, nach außen zu wandern, wenn die Dachstangen in den Dachkranz gesteckt und an den Scherengittern befestigt werden. Würden die Wände ungehindert nach außen wandern, würde sich das Dach absenken, bis schließlich so wenig Spannung auf dem Dachkranz wäre, dass Dachleisten herausrutschen würde und die Jurte zusammenstürzen würde. Ein solides Spannungsband ist deshalb von größter Wichtigkeit. Die Stabilität des Dachkranzes ist gleichrangig hoch anzusiedeln. Bei traditionellen Jurten ist der Dachkranz auch symbolisch und spirituell sehr aufgeladen, er ist der eine Teil der Jurte, welcher über die Generationen weiter vererbt wird. Alle anderen Teile werden bei Bedarf ersetzt.

5m Jurtenrahmen mit solidem Spannungsband, doppelt gesichert.

Außenhaut

Wir nutzen für unsere Außenhäute in aller Regel 510g/m2 Baumwoll-Polyester-Mischgewebe, welches gegen Wasser, Fäulnis und flammenhemmend imprägniert ist. Dieses Gewebe ist extrem robust, reißfest, und besitzt wegen des Baumwollanteils eine sehr gute Atmungsaktivität, welche sowohl für das Raumklima als auch um Schimmelbildung vorzubeugen ein sehr wichtiger Faktor ist. Die Außenhaut ist neben dem Holzrahmen der wichtigste Bestadteil der Jurte, sie macht die Jurte in unserem europäischen Klima langfristig nutzbar. Das Design unserer Außenhäute ist in langjähriger Erfahrung ausgereizt. Dies beinhaltet, dass jede einzelne Naht so ausgerichtet ist, um Regen möglichst ungehindert abfließen zu lassen, dass der Wind nirgends durchpfeift, dass die Seitenwände auch bei Bodenkontakt keine Feuchtigkeit hochziehen, und die komplette Jurte schnell und leicht zu montieren und zu demontieren ist. Außerdem gibt es diverse Farben zur Auswahl, die auch nach Wunsch kombiniert werden können.

Je nach Nutzungsabsicht empfehlen wir zusätzliche Extras, wie zusätzliche Isolierung, Fenster, (öffenbare) Acrylglaskuppeln und andere Extras.

Ganzjahresjurte

Für die ganzjährige Nutzung braucht es Isolierung, und je nach Intensität der Nutzung auch mehr davon. Wir erstellen jedes Angebot genau nach den Bedürfnissen und eruieren im Gespräch, was für das konkrete Jurtenprojekt die sinnigste Lösung ist. Für Menschen die dauerhaft an einem Ort in einer Jurte leben wollen, ist meistens eher eine dickere Isolierung sinnvoll, da diese auf Dauer Heizkosten spart und damit die Umwelt schont, in Kombination mit einem Ofen, der viel Wärme speichert. Bei weniger durchgängiger, aber dennoch ganzjähriger Nutzung, kann auch deutlich weniger Isolierung in Kombination mit einem Ofen, der die Jurte schnell warm bekommt, die deutlich sinnvollere Lösung sein. Und dann gibt es natürlich noch Zwischenwege.

Preise

Grundpreise für unsere Jurten und die meistangefragtesten optionalen Extras finden sich bald hier.

Bis dahin bitten wir um Kontaktaufnahme für ein individuelles Angebot, am Besten schon mit den Vorstellungen, wie die Jurte idealerweise ausgestattet sein sollte, außerdem mit der Nutzungsabsicht und dem potentiellen Aufstellort.

Traum vom selber bauen?

Gerne unterstützen wir auch diejenigen, die den Traum einer selbstgebauten Jurte hegen. Wie unsere Unterstützung dabei aussieht, ist individuell sehr verschieden, wir freuen uns auf jeden Fall auf deine Anfrage und besprechen dann gemeinsam, wie wir dir am Besten helfen können, damit dein Traum Realität wird. Mehrfach haben wir auch schon unser Werkzeug eingepackt und sind damit durch die Lande gefahren um ein in der Regel einwöchiges Jurtenbau-Projekt anzuleiten.